Wie gut kennen Sie Ihre eigene Weltsicht? Was sind die Filter oder auch Brillen, die Ihren Blick auf das, was und wie Sie die Welt wahrnehmen, prägen?
Unsere Wahrnehmung der eigenen Weltsicht gilt als 1. Grundfähigkeit in dem Modell SQ 21.

Wir brauchen diese Fähigkeit für ein Wachsen in Spiritueller Intelligenz. Denn hier entscheidet sich, ob wir selber mit großer innerer Weite auf die Welt um uns herum schauen und uns auf Fremdes einlassen können.

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Viele Faktoren prägen unsere Weltsicht

Zu den Dingen, die uns gewöhnlich als „Filter“ bewusst sind gehören Alter, Familienstand, Bildung, Lebensumfeld. Je nachdem, wie ich da aufgestellt bin, wird die Buchung eines Urlaubs sehr verschiedene Formen annehmen.
Weniger auf der Hand liegen oftmals Sichtweisen, die so selbstverständlich zu uns gehören, dass wir sie kaum mehr wahrnehmen. Dazu gehören

  • Typologien: was für ein Typ der Persönlichkeit bin ich? Introvertiert oder Extrovertiert? Brauche ich in jedem Falle viel Struktur oder bin ich ein eher chaotischer Mensch? Es gibt einige Typologien. Sie sind schon im frühen Kindheitsalter zu erkennen und begleiten uns unser Leben lang.
  • Kultur: der kulturelle Kontext, in dem ich aufgewachsen bin. Die asiatische Kultur unterscheidet sich sehr von unserer europäischen. Manchmal führt das zu nicht unerheblichen Konflikten.
  • Glaubenssysteme: Welche religiösen Muster haben mich geprägt? Eröffneten die Raum oder war das ein sehr enges, kontrollierende System? Wo stehe ich da heute?
  • Werte: welche Werte sind mir wichtig? Was mag ich gar nicht? Woher stammen meine Werte?
  • Opfer oder Gestalter: wie erlebe ich die Welt um mich herum? Ziehe ich in der eigenen Wahrnehmung immer den Kürzeren? Oder habe ich den Eindruck, ich kann in der Welt etwas bewegen, auch wenn es hier und da Rückschläge gibt?

Noch mehr zum Thema Wahrnehmungsperspektiven gibt es in diesem Blogartikel zu lesen und zu sehen.

Sich selber besser kennen lernen

In der ersten Grundkompetenz geht es um die Fähigkeit, dass wir uns selber in Bezug auf diese vielen Fragen besser kennenlernen. Es stärkt uns, bewusster mit den eigenen Gedankenschleifen umzugehen, aufmerksamer wahrzunehmen, was in uns selber vor sich geht. Denn darum geht es beim Thema der Weltsicht: dass in uns etwas passiert zwischen einem Ereignis, das sichtbar ist und dem, was wir am Ende dazu sagen oder zu welchen Schlussfolgerungen wir kommen.

Die Abstraktionsleiter – das Innenleben einer Weltsicht

Ein schönes Modell hierzu ist die Abstraktionsleiter von Peter Senge. Zwischen einem ersten Ereignis, etwas, das wir wahrnehmen, vielleicht sogar filmen könnten und dem, was am Ende als Reaktion auf das Ereignis herauskommt, liegen viele kleine Schritte. Ich nenne es manchmal die ‚magic box‘. Denn ich habe keine Ahnung, was der andere mit dem, was er sieht, innerlich macht. Und darum überraschen mich manche Reaktionen anderer Menschen. Nur – und darum geht es eben auch – das passiert ja nicht nur in anderen Menschen. Das passiert auch in mir.

Wie vertraut ist Ihnen der Blick auf Ihre Weltsicht?

Um zu gucken, wie vertraut Ihnen Ihre Weltsicht ist, könnten Sie sich diese Fragen selber stellen:

Wenn ich heute jemandem erklären sollte, warum ich denke, wie ich denke, oder auch, warum ich handele, wie ich handele, könnte ich das erklären?

Kann ich anerkennen, dass andere Menschen ein Recht haben anders zu denken und Dinge wahrzunehmen als ich?

Kann ich Chancen und Grenzen meiner eigenen Weltsicht erkennen?

Wie entspannt kann ich andere Menschen mit ihren anderen Sichtweisen akzeptieren?

 

Jeder hat recht, aber nur teilweise

Von Ken Wilber, einem amerikanischen Philosophen, stammt dieser Satz: „Jeder hat recht, aber nur teilweise“. Mir ist dieser Satz in den letzten Jahren oftmals eine große Hilfestellung gewesen, wenn ich mich über andere Menschen und das, was sie sagten, so geärgert habe. Und er hat mich ermutigt wirklich näher hinzuschauen und zu fragen: was an dem, was der andere sagt, könnte seine Berechtigung haben? Allein diese Frage hat mir vielfach geholfen, meinen eigenen Horizont zu erweitern und manches zu entdecken, was ich vorher einfach nicht im Blick hatte.

Warum es so wichtig ist, die eigene Weltsicht zu kennen

Wer kennt sie nicht, diese Redewendungen: „man tut das so“, oder auch „so ist das eben“. Die eigene Weltsicht zu kennen beginnt diese Sichtweisen, die scheinbar so unumstößlich gelten, aufzuweichen. In dem Moment, in dem ich selber weiß, warum ich wie denke oder handele, eröffnet sich mir ein innerer Raum. Genau der lässt mich entdecken, dass das, was für manche wie schwarz-weiß erscheint, in Wirklichkeit nur eine Färbung meiner eigenen Wahrnehmung ist. Daneben aber gibt es noch viele weitere Färbungen, die sich sprachlich vielleicht so ausdrücken: „Kann man so machen“ oder „mir ist das wichtig“.

Eine offene Haltung entwickeln

Oft genug entdecken wir im Laufe der Zeit, dass aus den klaren Festlegungen eine offene Haltung wird. Und diese lässt Spiel für Verschiedenheit und auch Vielfalt. Es lässt Raum für Individualität, ohne in eine Beliebigkeit hinein zu rutschen. Je weiter in mir der Raum ist, je mehr ich Schattierungen erkennen kann, um so klarer können wir da Grenzen ziehen, wo es nötig ist.

Die eigene Weltsicht gut kennen trägt damit dazu bei, dass das Zusammenleben leichter wird, weniger Konflikte entstehen, mehr Kooperation möglich wird, aber auch Grenzen, die das Miteinander zerstören, klarer angesprochen werden können. Und das brauchen wir dringend in dieser Zeit.

Üben die eigene Weltsicht zu erweitern

Sie selber wollen sich darin üben, die eigene Weltsicht zu erweitern? Hier ist eine kleine Übung:

Jedes Mal, wenn Sie sich über eine Person ärgern, fragen Sie sich doch: Wie interpretiere ich diese Situation gerade? Welche Annahmen oder Überzeugungen beeinflussen diese Interpretation? Was für Schlussfolgerungen ziehe ich gerade daraus?

Sie werden erstaunt sein, wie viel Sie bei dieser kleinen Übung über sich und den anderen erfahren.

Sie wollen mehr üben? Dann schauen Sie doch mal rein in die ausführliche Beschreibung zum Onlinekurs Schlüsselkompetenzen. Dem Thema der Weltsicht und den eigenen Wahrnehmungsperspektiven ist darin eine ganze Einheit gewidmet.